Björn, 38, verheiratet (verpartnert)

 

Seit wann bist du HIV positiv und wie hast du es erfahren?

Infektion August 2010, Diagnose Oktober 2010. Ein anonymer Test beim Gesundheitsamt. Das Ergebnis bekam ich telefonisch, allein daheim.

 

Welche Sexualität lebst du, seit wann und bist du glücklich damit? (Wenn Nein, warum?)

Ich bin schwul, seit ich 16 bin geoutet und glücklich damit.

 

Wer und wie viel Wissen es, das du positiv bist? (Wenn du nicht offen lebst, sag uns warum.)

Seit einem Fernseh-Interview im November 2015 kann ich das nicht mehr genau sagen (RTL)


Wie ist dein Leben heute mit dem HI-Virus?

Recht entspannt. Ich habe eine tolle Familie, einen positiven Mann und gute Ärzte. Keine Nebenwirkungen von der Therapie und super Blutwerte. Ich kann nicht klagen.


Wie war dein Leben am Anfang der Diagnose?

Das war auf jeden Fall ein Schock, als hätte man mir die Beine weggezogen und mich in die 80er zurückgeworfen. Ich hab mich aber schnell gefangen, weil ich wusste, dass es gute Therapien gibt und man dann auch nicht mehr ansteckend ist.


Was hat sich durch deine Diagnose in deinem Leben geändert? (Positives und Negatives)

Positiv: Ich hab viel mehr Spaß am Sex. Ich hatte vorher immer Angst vor der Infektion, jetzt ist die Angst weg und ich kann Sex so haben, wie in meiner Phantasie. Außerdem hab ich viel Solidarität gefunden unter Menschen mit HIV. Das gibt mir viel Kraft für mein Engagement.

 

Negativ: Es gibt leider immer noch viele Vorurteile und Stigmatisierung von Menschen mit HIV - auch unter Schwulen. Das ist erschreckend. Wir sollten mehr Respekt voreinander haben und andere nicht verurteilen.


Wie gehst du mit deiner HIV Diagnose bei sexuellem Verkehr um?

Das kommt auf die Situation an. Online gehe ich damit offen um, beim Cruising, oder in der Sauna macht man eh nicht viele Worte. Ich habe lieber Sex ohne Kondom, wenn der andere darauf besteht, entscheide ich spontan, ob das für mich passt. Da ich nicht infektiös bin, habe ich da auch keine Sorgen.


Wann und wie sagst du es deinen Sexualpartner, das du HIV positiv bist ? (Wenn nicht, warum?)

Wie gesagt, das entscheide ich situativ. Da ich nicht ansteckend bin, hab ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn nicht (darüber) gesprochen wird.


Nimmst du HIV Medikamente? (Wenn ja, seit wann und welche?)
(Wenn nein, warum?)

Ja, schon schnell nach der Diagnose, weil ich nicht infektiös sein wollte. Erst Truvada und Isentress, seit etwa zwei Jahren Eviplera.


Was waren deine negativen persönlichen Erfahrungen mit HIV?

Dass Zahnärzte häufig die Behandlung verweigern und sich auch Bekannte abgewendet, oder hinter dem Rücken schlecht gesprochen haben.


Was waren diesbezüglich positive Erfahrungen mit HIV?

Die Solidarität unter den Positiven und die Zusammenarbeit mit anderen zum Abbau von Stigmatisierung von Menschen mit HIV, oder auch grundsätzlich der Abbau von Vorurteilen und Homonegativität.


Was ist deine Botschaft an die Gesellschaft?

Informiert Euch! HIV ist behandelbar, Sex ist gut und nicht „schmutzig“. Jede*r soll so leben, wie er*sie will. Niemand sollte andere verurteilen/bewerten.


Was wünscht du dir von der Gesellschaft im Umgang mit HIV positiven?

Weniger Ausgrenzung und mehr Informiertheit. Es ist unfassbar, wie viele Menschen den eigenen Status nicht kennen, wenig über STIs wissen, aber fröhlich rumpimpern. Leider wird in der Gesellschaft immer weniger über Sex gesprochen, gerade das würde aber helfen, offener und ehrlicher mit Pannen und auch STIs umzugehen. Grundwissen der strukturellen Prävention eben.


In welchen Bereichen in Bezug auf HIV, muss deiner Meinung nach noch mehr gemacht werden?

Der Abbau von Diskriminierung im Gesundheitswesen bei uns. Weltweit der Zugang zu Medikamenten und der Abbau von Diskriminierung jeglicher Art.


Wenn du vergeben bist, wie geht dein Partner mit deiner Diagnose um, bzw. wie gingen deine Exfreunde damit um?

Ich bin mit einem ebenfalls positiven Mann verheiratet. Bei uns spielt HIV keine große Rolle, wir legen uns abends unsere Pille zum Essen hin und gut. Unsere Freunde / Familie wissen davon und unterstützen uns. Das ist alles sehr entspannt glücklicherweise.

 

 

 

Wir, der Verein für positives Leben übernimmt keine Verantwortung und Haftung für dass hier aufgeführte Interview. Das Interview wurde von uns so übernommen, wie es uns vom Interviewnehmer übermittelt wurde. Angaben ohne Gewähr

 

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